Der Staat
Ist die Summe seiner Einzelteile. Wie jedes zusammengesetzte
Objekt! Egal ob es sich um Maschinen, Menschen, Tiere oder Naturerscheinungen handelt.
Ist der Wurm erst mal drinnen, stirbt der Baum. Fehlt das Öl, stehen die
Motoren. Krankheitserreger verbreiten sich blitzschnell innerhalb von Vieherden
aber auch der menschlichen Gesellschaft.
Ist der Staat also frei von unerwünschten, schädlichen
Teilstücken und sind alle Einzelteile gut geschmiert, fühlt er sich gesund. Der
Staat wird durch Menschen gebildet. Menschen sind Meister des Verdrängens und
Ausblendens. Manch todkranker Mensch, fühlt sich noch kurz vor seinem Abgang
Pudelwohl. Kann man dieses Beispiel auch auf einen Staat anwenden? Das einiges
dafür spricht, kann an beliebigen Systemen der Vergangenheit anschaulich abgelesen
werden.
Der Staat stellt also den Rahmen für das gesellschaftliche,
allumfassende Leben innerhalb einer Region und für eine ungewisse Zeit dar. Er
wird immer durch den Menschen gebildet und weiterentwickelt. Er wird in Stränge
unterteilt, um eine gewisse Aufgabentrennung und Übersicht zu gewährleisten.
Jedes Teil des Ganzen konzentriert sich mehr oder weniger auf die ihm
gestellten Aufgaben. Zusammen sollte alles klingen wie das Konzert eines
vielstimmigen Chores in Begleitung eines Orchesters.
Der Dirigent kennt alle Orchesterteilnehmer, ihre Stärken
und Schwächen, er übersieht das Ganze und greift ein, um einen harmonischen
Klang zu erzielen und das Publikum zu begeistern. Dafür ist es allerdings
unablässig notwendig, auch alle Musikanten vom gespielten Stück zu begeistern.
Alle haben ein klar definiertes Ziel und arbeiten gemeinsam darauf hin. Eigenwilligkeiten
werden sofort bestraft, durch Missklang, müden Applaus und Abbruch der
Veranstaltung.
Der Staat ist kein Orchester. Niemand kann alle und alles
innerhalb eines solchen Gebildes im Auge, geschweige denn, im Griff haben. Alles
wurde schon versucht. Weder Demokratie oder die Leitung durch Diktatoren noch
Sozialismus oder Kapitalismus erbringen und erbrachten einen Staat der absoluten Begeisterung und des ewigen
Seins.
Alle verlassen sich immer wieder auf die gerade vorgegebene,
aktuelle Strategie und knüpfen alle Hoffnungen an Einzelpersonen oder Gruppen
aus der Mitte des Systems, welche den Lösungen der drängendsten Fragen ihrer
Zeit subjektiv am nächsten stehen.
Wie flexibel sind systemgeprägte Menschen in Bezug auf
Problemerkennung und unabhängige Lösungsfindung? Welche Einstellungen
beherrschen die staatstragenden Elemente? Wie wird innerhalb des ganzen
kommuniziert?
Gute Nachrichten werden von Angestellten und Beamten, ob im
Staatsdienst oder der Wirtschaft lieber weitergegeben als schlechte
Nachrichten. Gutes wird belohnt und schlechtes bestraft. Dies lernt der Mensch
schon im Kindesalter von den Eltern. Und so handelt er unbewusst auch als
Erwachsener. Vorgesetzte verziehen das Gesicht, bei dem Erhalt einer
Hiobsbotschaft und der Überbringer bereut sofort seinen Auftritt. Wenn dann
bestimmte Informationen noch einen geldlichen Nachteil für alle bedeuten, sind
sie besonders unangenehm und werden vermieden.
Dies ist eine Erklärung für das Verschwinden von
Staatssystemen oder auch Firmen der Wirtschaft. Der Mensch macht sich selbst
gerne etwas vor, er reagiert auf die äußeren Einflüsse und trifft nach diesen
seine Entscheidungen. Oft ohne zu versuchen, sich durch erweiterte
Informationsbeschaffung ein objektives Bild der Lage zu machen. Manchmal, am
Beispiel der DDR gut nachzuvollziehen, können Menschen trotz eindeutiger
Lagemeldungen keine sinnvollen und konstruktiven Entscheidungen mehr treffen.
Sie sind dann so von ihrer Geschichte geprägt, dass auch das letzte Fünkchen
Flexibilität aus ihnen gewichen ist. Sie könne dann nur noch sehenden Auges in
den Untergang schreiten. Auch dafür können fast alle Systeme der Vergangenheit
herhalten.
Einige Staatsbedienstete sehen sich und ihre Abteilungen
wohl schon als Staat im Staate. Sie treffen eigenmächtige, öfter aber
eigenwillige Entscheidungen, bei denen das Risiko von der Allgemeinheit
getragen wird. Sie berichten erst, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt und
verabschieden sich im schlimmsten Fall mit einer satten Staatspension von ihren
Aufgabenbereichen.
Andere, Veränderungen positiv gegenüberstehende Personen
scheitern mit ihren Anliegen einfach an den alten, verkrusteten Strukturen, in
denen Informationen abgeblockt oder vernichtet werden und vor allem der
höfische, nichtssagende Bückling Erfolg hat.
Jede Nachricht kann von Bedeutung sein, ob es sich um eine
gute oder schlechte handelt, ist unerheblich. Wie überprüfbar ist sie im
Hinblick auf Herkunft und Objektivität, welche Handlungen löst sie aus? Dies
sind die entscheidenden Punkte. Reagiert man immer auf dieselbe Art und Weise
auf Nachrichten oder kann man dabei eine gewisse Flexibilität an den Tag legen?
Ist der Staat für alle da, oder nur noch für sich selbst?
Schließen die Ziele des Staates alle Bürger ein, unabhängig von Herkunft und
gesellschaftlicher Stellung? Heben seine Handlungen das Lebensniveau der Massen
oder senken sie es? Splittert er die einzelnen Bevölkerungsgruppen bewusst oder
unbewusst auf, oder führt er sie zusammen? Wie schnell reagiert er auf
Veränderungen der äußeren und inneren Einflussfaktoren? Wie viel
Veränderungswille ist vorhanden?
Einige glauben an das System der Räterepublik. Diese Form
des Staatwesens trat in der Vergangenheit schon auf, zeichnete sich allerding
auch durch eine besonders kurze Halbwertszeit aus. Die direkte Demokratie von
unten, das Volk diktiert die Richtung und die Zukunft, alle Funktionäre sind
jederzeit abrufbar. Die gesamte Bevölkerung schließt sich in Räten zusammen, im
Wohngebiet, in der Stadt, im Land und leitet die in ihren Abteilungen als
wichtig befundenen Fragen, Themen und Entscheidungen nach oben weiter. So die
durchaus nachvollziehbare Vorstellung.
In der deutschen Wendezeit 1989 entstanden die sogenannten
„Runden Tische“, diese werden von einigen mit den Grundsätzen einer Räterepublik
gleichgestellt und auch als solch ein Versuch gewertet.
Sieht man sich die Ergebnisse dieses und anderer Versuche
der Vergangenheit an und fasst alles in einem Satz zusammen, würde er wohl so
lauten:
„Während die einen noch reden, handeln die anderen bereits!“
Die Ergebnisse all der erfolglosen Versuche bestätigen das
Unvermögen der Masse, sich in kürzester Zeit auf rationale Ergebnisse zu
einigen und Diskussionen zielführend und ergebnisorientiert aufzubauen. Auch
fehlt den Teilnehmern dieser Räteformationen der Überblick über die Gesamtlage
der Gesellschaft. Sie begeben sich vom Kleinen ins Kleinste, ohne es zu
bemerken, da die akuten, persönlichen Probleme eines Menschen für ihn immer die
größte Bedeutung haben werden. Jeder Teilnehmer möchte seine Sicht der Welt
einbringen, sich seine Welt schaffen und am Ende doch nur die Ansichten anderer
negieren. Hinter einer Räterepublik steht zwar auch ein Plan, diesem fehlt es
allerdings an Substanz und vor allem an einem, Zeit.
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