Montag, 14. Januar 2013

Der Staat


Der Staat


 

Ist die Summe seiner Einzelteile. Wie jedes zusammengesetzte Objekt! Egal ob es sich um Maschinen, Menschen, Tiere oder Naturerscheinungen handelt. Ist der Wurm erst mal drinnen, stirbt der Baum. Fehlt das Öl, stehen die Motoren. Krankheitserreger verbreiten sich blitzschnell innerhalb von Vieherden aber auch der menschlichen Gesellschaft.

Ist der Staat also frei von unerwünschten, schädlichen Teilstücken und sind alle Einzelteile gut geschmiert, fühlt er sich gesund. Der Staat wird durch Menschen gebildet. Menschen sind Meister des Verdrängens und Ausblendens. Manch todkranker Mensch, fühlt sich noch kurz vor seinem Abgang Pudelwohl. Kann man dieses Beispiel auch auf einen Staat anwenden? Das einiges dafür spricht, kann an beliebigen Systemen der Vergangenheit anschaulich abgelesen werden.

Der Staat stellt also den Rahmen für das gesellschaftliche, allumfassende Leben innerhalb einer Region und für eine ungewisse Zeit dar. Er wird immer durch den Menschen gebildet und weiterentwickelt. Er wird in Stränge unterteilt, um eine gewisse Aufgabentrennung und Übersicht zu gewährleisten. Jedes Teil des Ganzen konzentriert sich mehr oder weniger auf die ihm gestellten Aufgaben. Zusammen sollte alles klingen wie das Konzert eines vielstimmigen Chores in Begleitung eines Orchesters.

Der Dirigent kennt alle Orchesterteilnehmer, ihre Stärken und Schwächen, er übersieht das Ganze und greift ein, um einen harmonischen Klang zu erzielen und das Publikum zu begeistern. Dafür ist es allerdings unablässig notwendig, auch alle Musikanten vom gespielten Stück zu begeistern. Alle haben ein klar definiertes Ziel und arbeiten gemeinsam darauf hin. Eigenwilligkeiten werden sofort bestraft, durch Missklang, müden Applaus und Abbruch der Veranstaltung.

Der Staat ist kein Orchester. Niemand kann alle und alles innerhalb eines solchen Gebildes im Auge, geschweige denn, im Griff haben. Alles wurde schon versucht. Weder Demokratie oder die Leitung durch Diktatoren noch Sozialismus oder Kapitalismus erbringen und erbrachten einen Staat  der absoluten Begeisterung und des ewigen Seins.

Alle verlassen sich immer wieder auf die gerade vorgegebene, aktuelle Strategie und knüpfen alle Hoffnungen an Einzelpersonen oder Gruppen aus der Mitte des Systems, welche den Lösungen der drängendsten Fragen ihrer Zeit subjektiv am nächsten stehen.

Wie flexibel sind systemgeprägte Menschen in Bezug auf Problemerkennung und unabhängige Lösungsfindung? Welche Einstellungen beherrschen die staatstragenden Elemente? Wie wird innerhalb des ganzen kommuniziert?

Gute Nachrichten werden von Angestellten und Beamten, ob im Staatsdienst oder der Wirtschaft lieber weitergegeben als schlechte Nachrichten. Gutes wird belohnt und schlechtes bestraft. Dies lernt der Mensch schon im Kindesalter von den Eltern. Und so handelt er unbewusst auch als Erwachsener. Vorgesetzte verziehen das Gesicht, bei dem Erhalt einer Hiobsbotschaft und der Überbringer bereut sofort seinen Auftritt. Wenn dann bestimmte Informationen noch einen geldlichen Nachteil für alle bedeuten, sind sie besonders unangenehm und werden vermieden.

Dies ist eine Erklärung für das Verschwinden von Staatssystemen oder auch Firmen der Wirtschaft. Der Mensch macht sich selbst gerne etwas vor, er reagiert auf die äußeren Einflüsse und trifft nach diesen seine Entscheidungen. Oft ohne zu versuchen, sich durch erweiterte Informationsbeschaffung ein objektives Bild der Lage zu machen. Manchmal, am Beispiel der DDR gut nachzuvollziehen, können Menschen trotz eindeutiger Lagemeldungen keine sinnvollen und konstruktiven Entscheidungen mehr treffen. Sie sind dann so von ihrer Geschichte geprägt, dass auch das letzte Fünkchen Flexibilität aus ihnen gewichen ist. Sie könne dann nur noch sehenden Auges in den Untergang schreiten. Auch dafür können fast alle Systeme der Vergangenheit herhalten.

Einige Staatsbedienstete sehen sich und ihre Abteilungen wohl schon als Staat im Staate. Sie treffen eigenmächtige, öfter aber eigenwillige Entscheidungen, bei denen das Risiko von der Allgemeinheit getragen wird. Sie berichten erst, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt und verabschieden sich im schlimmsten Fall mit einer satten Staatspension von ihren Aufgabenbereichen.

Andere, Veränderungen positiv gegenüberstehende Personen scheitern mit ihren Anliegen einfach an den alten, verkrusteten Strukturen, in denen Informationen abgeblockt oder vernichtet werden und vor allem der höfische, nichtssagende Bückling Erfolg hat.

Jede Nachricht kann von Bedeutung sein, ob es sich um eine gute oder schlechte handelt, ist unerheblich. Wie überprüfbar ist sie im Hinblick auf Herkunft und Objektivität, welche Handlungen löst sie aus? Dies sind die entscheidenden Punkte. Reagiert man immer auf dieselbe Art und Weise auf Nachrichten oder kann man dabei eine gewisse Flexibilität an den Tag legen?

Ist der Staat für alle da, oder nur noch für sich selbst? Schließen die Ziele des Staates alle Bürger ein, unabhängig von Herkunft und gesellschaftlicher Stellung? Heben seine Handlungen das Lebensniveau der Massen oder senken sie es? Splittert er die einzelnen Bevölkerungsgruppen bewusst oder unbewusst auf, oder führt er sie zusammen? Wie schnell reagiert er auf Veränderungen der äußeren und inneren Einflussfaktoren? Wie viel Veränderungswille ist vorhanden?

Einige glauben an das System der Räterepublik. Diese Form des Staatwesens trat in der Vergangenheit schon auf, zeichnete sich allerding auch durch eine besonders kurze Halbwertszeit aus. Die direkte Demokratie von unten, das Volk diktiert die Richtung und die Zukunft, alle Funktionäre sind jederzeit abrufbar. Die gesamte Bevölkerung schließt sich in Räten zusammen, im Wohngebiet, in der Stadt, im Land und leitet die in ihren Abteilungen als wichtig befundenen Fragen, Themen und Entscheidungen nach oben weiter. So die durchaus nachvollziehbare Vorstellung.

In der deutschen Wendezeit 1989 entstanden die sogenannten „Runden Tische“, diese werden von einigen mit den Grundsätzen einer Räterepublik gleichgestellt und auch als solch ein Versuch gewertet.

Sieht man sich die Ergebnisse dieses und anderer Versuche der Vergangenheit an und fasst alles in einem Satz zusammen, würde er wohl so lauten:

„Während die einen noch reden, handeln die anderen bereits!“

Die Ergebnisse all der erfolglosen Versuche bestätigen das Unvermögen der Masse, sich in kürzester Zeit auf rationale Ergebnisse zu einigen und Diskussionen zielführend und ergebnisorientiert aufzubauen. Auch fehlt den Teilnehmern dieser Räteformationen der Überblick über die Gesamtlage der Gesellschaft. Sie begeben sich vom Kleinen ins Kleinste, ohne es zu bemerken, da die akuten, persönlichen Probleme eines Menschen für ihn immer die größte Bedeutung haben werden. Jeder Teilnehmer möchte seine Sicht der Welt einbringen, sich seine Welt schaffen und am Ende doch nur die Ansichten anderer negieren. Hinter einer Räterepublik steht zwar auch ein Plan, diesem fehlt es allerdings an Substanz und vor allem an einem, Zeit.

 

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