Freitag, 11. Januar 2013


Der Umgang mit und die Achtung vor dem Alter


 

Man könnte das Gefühl bekommen, dass sich in der heutigen Zeit alles, aber auch wirklich alles auf einen Geschäftsplan reduziert. Und wenn alle Beobachtungen und Ereignisse zusammengeführt werden, kommt man zu dem Schluss, es ist wirklich so.

Im Zusammenhang mit dem Alter und dem Umgang mit den Alternden kann dies besonders gut beschrieben werden. Die Unterschiede der Versorgungslage in den verschiedensten Heimen einer Großstadt wie Berlin, die Unterschiede in der Art der Unterbringung und die Unterschiede in der Betreuungsintensität spiegeln in trauriger Weise die Entwicklung einer in Schichten untergliederten und auf Gewinnmaximierung trainierten Gesellschaft.

Alle Heime sind Zertifiziert, alle Heime werden kontrolliert, alle Heime arbeiten mit dem sogenannten Qualitätsmanagement. Also ist die Welt in Ordnung.

Wie überall erfolgen Kontrollen nach vorangegangener Information der betroffenen Heime. Das dies zu allen möglichen Vorbereitungen führt, die dem Kontrolleur den Idealzustand vorspiegeln sollen, dass dem Kontrolleur wohlgesonnene, mehr oder weniger rüstige Rentner als Gesprächspartner in den Weg geschoben werden und die Rute der Hausbegehung meist von den Angestellten und nicht den Kontrolleuren bestimmt wird, das gehört wie in vielen Bereichen der Wirtschaft auch, zur gängigen Praxis. Wer hat schon Lust auf Negativberichte und Mehrarbeit. Der Feierabend ruft alle Beteiligten.

Stinkende Schmutzwäsche, aufbewahrt in den sogenannten Gesundheits- oder Pflegebädern der Heime sind eine der abartigen Auswirkungen, wenn statt an Wäscheräume zu denken, jeder Quadratmeter als Wohnfläche für geldbringende alte Menschen genutzt wird. Der strenge Geruch in vielen Heimen ist der Gradmesser für den Pflegezustand der Häuser.

Ansteckende Krankheiten, Durchfälle und Ausschläge sind die ständigen Begleiter der zu Pflegenden und des Pflegepersonals. Die Erreger kommen natürlich nicht nur in den Heimen vor, sie kommen mit Patienten aus den Krankenhäusern, teilweise sicher auch aus nicht ausreichend auf Desinfektion achtende Wäschereien, Besucher und Angehörige bringen sie mit oder das Pflegepersonal von abteilungs- und hausübergreifenden Tätigkeiten. Erstaunlich ist, dass es Einrichtungen gibt, die besonders dauerhaft und immer wieder von diesen Krankheitserregern betroffen sind. Da alle modernen Einrichtungen mit dem Qualitätsmanagement arbeiten sollte es möglich sein, die Herde zu identifizieren und zu bekämpfen. Aber das Leben richtet sich nicht nach festgeschriebenen Regeln. Die Menschen handeln am Ende doch nach ihrem Muster und sie verdrängen.

Bewegung und Unterhaltung, wer Angehörige hat und selbst im Heim mobil ist und das Glück hat auf gleichgesinnte Hausgenossen zu treffen ist klar im Vorteil. Ja, es gibt das Mindestmaß an vorgeschriebenen Beschäftigungsminuten für Bewohner. Ob Fahrstuhlausfahl oder krankheitsbedingter Personalmangel, über 365 Tage des Jahres kann es zu vielen Einschränkungen dieses vorgeschriebenen Musters kommen. Meine Großmutter wurde in einem Heim mit unzureichender Flüssigkeit versorgt. Sie wäre fast daran gestorben, wenn es den Angehörigen nicht aufgefallen wäre. Wie viele Menschen sterben schon an unzureichender oder falscher Versorgung? Wir wissen es nicht! Wir werden es auch nicht erfahren, gestorben aus Altersschwäche ist ein alltäglicher Fall, der keiner weiteren Untersuchung bedarf.

Was wir wissen ist, wie sich die Gesellschaft verändert. Wie Gruppen die Meinung vertreten, dass man Bürgern ab 60 Jahren keine besondere Aufmerksamkeit im Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung mehr zukommen lassen muss. Wir wissen, dass Personalreduzierung in der stationären Pflege genauso zum Alltag gehört, wie in jedem X-beliebigen Betrieb. Wir wissen, dass dies eine Konzentration auf die Kernaufgaben des Pflegepersonals bedeutet, deren Erfüllung unter ständigem Zeitdruck erfolgen muss. Wir wissen auch, dass damit eine persönliche Hinwendung zu jedem einzelnen menschlichen Wesen in den Pflegeeinrichtungen kaum noch möglich ist. Wir wissen, wie sich die Gesellschaft im Hinblick auf den sozialen Zusammenhalt entwickelt, wie sich teilweise schon Familien auseinandertreiben lassen, vom ewigen Druck des Erfolges und der Anziehungskraft des Geldes. Die Kirche fängt schon an, in diese Richtung zu predigen. Dass sie kaum noch jemanden erreicht ist ihr eventuell bewusst, dass es zu spät ist, sollte ihr klar sein.

Die Kirchen konnten zwar ihren Beitrag zur Vernichtung des kommunistischen Systems leisten, als Nagel im Fleisch des Staates, sie konnten in jedem Fall und über die Jahrhunderte Dinge in Bewegung setzen, deren Endergebnisse sie allerdings oft nur als Beobachter bestaunen konnten. Alle Versuche, negative gesellschaftliche Entwicklungen aufzuhalten scheiterten kläglich.

Die Verantwortung liegt also wieder bei der Gesellschaft, die Entwicklungen zu beeinflussen. Sollte das Gute in der Welt siegen, wird die Sonne für alle wieder scheinen, hat der Gott aller Menschen sicherlich ein Lächeln im Gesicht.  

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