Entwicklung von Unrecht und Boshaftigkeit
„Jemanden ins Unrecht setzen“, „Jemandes Karriere
zerstören“, „Stimmung gegen... machen“, fast jedem ist dieser Sprachgebrauch in
der heutigen Zeit schon begegnet. Und jeder verbindet damit andere Gefühle. War
er selbst schon einmal Opfer von Boshaftigkeit und kennt die Folgen oder gehört
er den zusehenden, mal mitleidigen, mal amüsierten Massen an. Das Verhalten der
Mehrheit ist nur verständlich, da die Darstellung von Boshaftigkeit und Unrecht
zu den Grundpfeilern der heutigen Unterhaltungsindustrie zählen. Womit können
die Menschen heute mehr verbinden, mit einem Helden, dem das Glück alles Gute
dieser Welt nur so zufliegen lässt oder dem verschlagenen, hinterhältigen, oft
am Boden liegenden Bösewicht, der sich mangels anderer Chancen, sein Stück vom
Glück mit unlauteren Mitteln erkämpfen muss? Da der Masse das Glück nicht eben
hold ist, kann vom Zweiten ausgegangen werden. Da der Mensch ein Leben lang
lernt und er sämtliche Informationen auf die eine oder andere Art, mehr oder
weniger intensiv verarbeitet und als Rüstzeug für sein Leben verwendet, er ja
aus all diesen Informationen seine Bewusstseins Welt erschafft und sich so auch
in das gesellschaftliche Ganze einfügt oder auch nicht, kann den medialen
Einflüssen ein großer Stellenwert und eine hohe Verantwortung für die
Entwicklung der Individuen zugestanden werden. Öffentliche Medien aller Art
kann man schon mit Bildungseinrichtungen gleichsetzen, da viele Menschen eher
und öfter mit ihnen, als mit, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauenden,
Schulungsstätten in Berührung kommen.
Der Mensch ist sicher nicht von Geburt an boshaft. Äußere
Einflüsse formen ihn zu dem was er ist und er zwingt sich selbst Dinge zu tun,
die ihm rechtens erscheinen. Gewalt in der Familie, gegen Fremde, Diebstahl,
Betrug. Alle Dinge, die bei der Masse der Gesellschaft ganz klar als Unrecht
und Boshaftigkeit gelten, werden von einem unbekannt großen Teil als normal
angesehen. Viele Dinge, gerade in Familien, kommen nie ans Licht der
Öffentlichkeit. Die betroffenen schweigen, schämen sich und können niemandem
Vertrauen. Wer kennt in diesem Fall also die tatsächliche Lage.
Bei anderen „Ungerechtigkeiten“ können die Anzahl von Gefangenen,
die Zahl der gemeldeten Vorfälle und die Arten der gemeldeten Vorfälle sicher
einen Eindruck vermitteln, in welche Richtung sich das Unrechtsbewusstsein
einer Gesellschaft bewegt.
Entscheidend ist und bleibt die Ausrichtung des aufgebauten
wirtschaftlichen und sozialen Systems. Druck führt immer zu Gegendruck, Wut zu
Gewalt, Not macht erfinderisch im Hinblick auf Beschaffungsmaßnahmen der Betroffenen.
Nicht alle Individuen handeln so, einige Leiden still und ertragen alles bis
zur völligen Hingabe oder Aufgabe.
Eine Gesellschaft, die lieber Gefängnisse baut und sich über
eine minimale Erhöhung der Aufklärungsquoten bei Verbrechen mehr freut als
tatsächlich an den Ursachen zu arbeiten und diese zu beseitigen befindet sich
schon auf Talfahrt. Denn genau wie solch ein Thema, werden auch alle anderen
nur halbherzig angegangen.
Boshaftigkeit führt zu Unrecht und umgekehrt.
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