Die schweigende Masse
In Deutschland ist der Anteil der schweigenden Mehrheit
ziemlich groß. Sie schwiegen zum Mord an sechs Millionen Juden, sie schweigen
zum allmählichen Verlust Ihrer Menschenwürde in der Jetztzeit. Immer mehr
Menschen werden an den Rand gedrückt. Sie ertragen es- schweigend. Das ist das
Grundübel in der deutschen Gesellschaft. Randgruppen werden wieder zu
schuldigen gemacht. Einwanderer, Zigeuner, Roma und alle andersartigen Menschen
sind wieder Ziel von Negativpropaganda. Die Masse schweigt und genießt. Ja, zum
Glück gehöre ich nicht zu einer jener Randgruppen. Die sind doch alle selbst
schuld. Wie damals. Es hat sich nichts geändert. Es geht kein Aufschrei durch
die Gesellschaft, wenn von Kinderarmut und gehäuften Kindstötungen die Rede
ist. Es ist alles weit weg, es betrifft sie nicht, die Deutschen. Jeder bleibt
auf seinem Posten und unterstützt schweigend ein System, welches sich langsam
aber sicher selbst erdrückt. Die wenigen positiven Initiativen sind schon
Zahlenmäßig nicht in der Lage das Elend aufzuhalten. Es handelt sich nur noch um den berühmten Tropfen auf den
heißen Stein. Anders lässt es sich kaum mehr beschreiben. In den Untiefen des
Mittelstandes ist diese menschliche Verrohung am besten zu beobachten. Vielen Menschen
fehlen schon die kommunikativen Voraussetzungen um sich selbst, gegen die
täglichen Erniedrigungen ihrer Umwelt zur Wehr zu setzen. In der Folge fügen
sie eher sich Verletzungen zu, und vernachlässigen Ihre Gesundheit, als dass
Sie in der Lage wären, sich durch Aussprachen, ihrer Probleme zu entledigen.
Sie beginnen um sich zu beißen. Desto schlechter die eigene Lage, je geringer
der Bildungsgrad und immer abhängig vom ausgeübten Druck der Umwelt- umso
schlimmer das eigene Beißverhalten. Statt in der Not zusammenzufinden und ein
positives Sozialverhalten zu entwickeln, welches den Druck ja mindern könnte,
da Verständnis für und Unterstützung des anderen zur Verminderung des Druckes
führen würde, geschieht genau das Gegenteil. Strategische Partnerschaften
werden nur gebildet um kurzzeitig gegen neu ausgemachte Konkurrenten im Revier
vorzugehen. Die Masse beobachtet diese Revierkämpfe und schwankt mit Ihrer
Sympathie mal von der einen zu der anderen beteiligten Gruppe oder Person. Es
ist die schweigende Mehrheit, die keine Stellung bezieht, sich nicht äußern
kann, sich nicht äußern will, aus Angst, Ihre Privilegien zu verlieren, seien
sie noch so klein. Und für dieses Verhalten ist eine Minderheit verantwortlich,
diejenigen, welche in einem Land die Macht ausüben. Macht lenkt, Macht kann
erdrücken, Macht denkt nicht. Über die Fehler im System sprechen die Menschen
auf Nachfrage klar und deutlich. Wenn es keine Zuhörer gibt. Im
Vier-Augen-Gespräch öffnen sich die meisten. Und es sind keine Dummen Gedanken,
die da geäußert werden. Aber die Leitsätze lauten: „Das interessiert ja doch
keinen!“, „ Ich kann da eh nichts ändern!“. Und wenn man sich in diesen kleinen
und großen Betrieben umsieht, kommt man leider zu der Erkenntnis, ja, überall
sitzt ein kleiner Gott in der Chefetage und predigt seine Gebote. Nichts
anderes hat zu gelten, außer diesen, seine Gebote. Amen!
Sollte doch mal ein Menschenkind aufbegehren, oder auch nur
auf den Gedanken verfallen, eigene Gedanken zu äußern, wird er schnell als
Störenfried und aufmüpfig klassifiziert. Was von unten kommt kann ja nicht
wertvoll sein. Macht, macht auch blind und taub.
Dies ist sicherlich nicht überall so, aber es kommt
vor. Wehret den Anfängen heißt: Den Regeln des menschlichen Zusammenlebens im
21. Jahrhundert mehr Bedeutung beizumessen und das soziale Gefüge im globalen
Kontext so auszutarieren, dass es nicht zur Wiederholung der Vergangenheit
kommt.
Das Gute schlummert in uns allen. Das Böse in dieser
Welt ist hell wach.
Auch in anderen Teilen der Welt wurde und wird
gemordet. Das Ergebnis all dieser Gräueltaten ist der Tod. Schmerzen und Leiden
für Millionen Menschen auf der Welt unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Alter
und Religionen. Exzesse, wie sie so, in der Tierwelt nicht oft vorkommen.
Gibt es trotzdem einen Unterschied der Bewertung
dieser Taten? Unterschieden und unterscheiden sich diese Taten in den Ursachen,
der Durchführung und der Zielsetzung?
Ja, es gibt sie, die Unterschiede. Nimmt man Stalin
als Beispiel, muss man anerkennen, dass er ein völlig neues System etablieren
wollte. Ein System, welches die Gegnerschaft vieler Teile der Bevölkerung und benachbarter
Staaten herausforderte. Es gab also tatsächlich einen Feind, den es zu
bekämpfen galt. Am Anfang war das Kämpfen und Töten also notwendig. Mit
Festigung seiner Machtposition und beim Versuch, ein rückständiges Land in die
Industrialisierung zu führen, wandelte sich der ehrenvolle Charakter der Kämpfe
gegen Feinde des Systems in einen menschenverachtenden Feldzug gegen die eigene
Bevölkerung. Er unterschied kaum noch zwischen Freund und Feind. Er wurde zu
einem kranken Alleinherrscher mit allen damit verbundenen Ängsten und Zwängen
und den daraus folgenden Handlungen. Am Beginn standen Kriegsopfer, welche
nicht weniger zu bedauern sind als die späteren Mordopfer. Die einen haben
bewusst Widerstand geleistet und mit der Waffe in der Hand dem Tod wissend ins
Auge geschaut, die anderen wurden getötet, ohne, dass sie den Grund dafür
kennengelernt haben. Sie verstanden nicht, was die Industrialisierung mit den
Hungersnöten zu tun hatte. Sie haben vor Ihrem Tod dieses Wort vielleicht nie
gehört. Sie schwiegen, denn sie wussten ja nicht, gegen was sie aufbegehren
sollten.
Allgemein zeichnen sich Revolutionen innerhalb
politischer Systeme durch bewaffnete Auseinandersetzungen der unterschiedlichen
Kräfte aus. Es kommt zu Opfern auf allen Seiten. Jede Gruppe verfolgt
allerdings auch in ihrem Sinne ehrbare Ziele, welche mit aller Konsequenz,
unter Inkaufnahme von menschlichen Verlusten durchzusetzen sind. Wie die Sieger
in der Folge handeln, das macht den Unterschied aus.
Sind sie Fair und versuchen die ehemaligen Gegner in
das neue System bestmöglich zu integrieren? Oder wird die Gegnerschaft am Leben
erhalten und der Kampf bis ins letzte fortgeführt? Können sie den Zeitpunkt
erkennen, ab dem sich gerechtfertigte in ungerechtfertigte Opfer wandeln?
Die Geschichte kennt viele Beispiele der einen und
der anderen Art!
Doch der niederträchtigste Fall in der Geschichte
bleibt der industrielle Massenmord während des dritten Reichs. Habgier,
Mordlust und Neid, Hass gegen Minderheiten lassen keine Entschuldigung zu. Boshaftigkeit
war der Antrieb für diesen Wahnsinn. Ich hoffe, dass auch mit dem Versterben
des letzten beteiligten, egal ob Opfer oder Täter, nicht das große Vergessen
über Deutschland hereinbricht. Erste Anzeichen für das Schwinden der
Erinnerungen und die Abschwächung der Taten, sind schon zu beobachten. Die
jungen Menschen sollen sich nicht schuldig fühlen! Aber sie sollten wissen, zu
welchen Taten der Mensch in der Lage ist und sich bei den ersten Anzeichen
dagegen auflehnen. Dazu müssen sie Systeme durchschauen können und die wahren
Ziele erkennen. Das wichtigste ist aber eine positive humanistische
Grundstimmung, welche durch die gesamte Gesellschaft getragen wird. Viel
Glück...
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