Montag, 14. Januar 2013

Die schweigende Masse


Die schweigende Masse


 

In Deutschland ist der Anteil der schweigenden Mehrheit ziemlich groß. Sie schwiegen zum Mord an sechs Millionen Juden, sie schweigen zum allmählichen Verlust Ihrer Menschenwürde in der Jetztzeit. Immer mehr Menschen werden an den Rand gedrückt. Sie ertragen es- schweigend. Das ist das Grundübel in der deutschen Gesellschaft. Randgruppen werden wieder zu schuldigen gemacht. Einwanderer, Zigeuner, Roma und alle andersartigen Menschen sind wieder Ziel von Negativpropaganda. Die Masse schweigt und genießt. Ja, zum Glück gehöre ich nicht zu einer jener Randgruppen. Die sind doch alle selbst schuld. Wie damals. Es hat sich nichts geändert. Es geht kein Aufschrei durch die Gesellschaft, wenn von Kinderarmut und gehäuften Kindstötungen die Rede ist. Es ist alles weit weg, es betrifft sie nicht, die Deutschen. Jeder bleibt auf seinem Posten und unterstützt schweigend ein System, welches sich langsam aber sicher selbst erdrückt. Die wenigen positiven Initiativen sind schon Zahlenmäßig nicht in der Lage das Elend aufzuhalten. Es handelt sich  nur noch um den berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Anders lässt es sich kaum mehr beschreiben. In den Untiefen des Mittelstandes ist diese menschliche Verrohung am besten zu beobachten. Vielen Menschen fehlen schon die kommunikativen Voraussetzungen um sich selbst, gegen die täglichen Erniedrigungen ihrer Umwelt zur Wehr zu setzen. In der Folge fügen sie eher sich Verletzungen zu, und vernachlässigen Ihre Gesundheit, als dass Sie in der Lage wären, sich durch Aussprachen, ihrer Probleme zu entledigen. Sie beginnen um sich zu beißen. Desto schlechter die eigene Lage, je geringer der Bildungsgrad und immer abhängig vom ausgeübten Druck der Umwelt- umso schlimmer das eigene Beißverhalten. Statt in der Not zusammenzufinden und ein positives Sozialverhalten zu entwickeln, welches den Druck ja mindern könnte, da Verständnis für und Unterstützung des anderen zur Verminderung des Druckes führen würde, geschieht genau das Gegenteil. Strategische Partnerschaften werden nur gebildet um kurzzeitig gegen neu ausgemachte Konkurrenten im Revier vorzugehen. Die Masse beobachtet diese Revierkämpfe und schwankt mit Ihrer Sympathie mal von der einen zu der anderen beteiligten Gruppe oder Person. Es ist die schweigende Mehrheit, die keine Stellung bezieht, sich nicht äußern kann, sich nicht äußern will, aus Angst, Ihre Privilegien zu verlieren, seien sie noch so klein. Und für dieses Verhalten ist eine Minderheit verantwortlich, diejenigen, welche in einem Land die Macht ausüben. Macht lenkt, Macht kann erdrücken, Macht denkt nicht. Über die Fehler im System sprechen die Menschen auf Nachfrage klar und deutlich. Wenn es keine Zuhörer gibt. Im Vier-Augen-Gespräch öffnen sich die meisten. Und es sind keine Dummen Gedanken, die da geäußert werden. Aber die Leitsätze lauten: „Das interessiert ja doch keinen!“, „ Ich kann da eh nichts ändern!“. Und wenn man sich in diesen kleinen und großen Betrieben umsieht, kommt man leider zu der Erkenntnis, ja, überall sitzt ein kleiner Gott in der Chefetage und predigt seine Gebote. Nichts anderes hat zu gelten, außer diesen, seine Gebote. Amen!

Sollte doch mal ein Menschenkind aufbegehren, oder auch nur auf den Gedanken verfallen, eigene Gedanken zu äußern, wird er schnell als Störenfried und aufmüpfig klassifiziert. Was von unten kommt kann ja nicht wertvoll sein. Macht, macht auch blind und taub.

Dies ist sicherlich nicht überall so, aber es kommt vor. Wehret den Anfängen heißt: Den Regeln des menschlichen Zusammenlebens im 21. Jahrhundert mehr Bedeutung beizumessen und das soziale Gefüge im globalen Kontext so auszutarieren, dass es nicht zur Wiederholung der Vergangenheit kommt.

Das Gute schlummert in uns allen. Das Böse in dieser Welt ist hell wach.

Auch in anderen Teilen der Welt wurde und wird gemordet. Das Ergebnis all dieser Gräueltaten ist der Tod. Schmerzen und Leiden für Millionen Menschen auf der Welt unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Alter und Religionen. Exzesse, wie sie so, in der Tierwelt nicht oft vorkommen.

Gibt es trotzdem einen Unterschied der Bewertung dieser Taten? Unterschieden und unterscheiden sich diese Taten in den Ursachen, der Durchführung und der Zielsetzung?

Ja, es gibt sie, die Unterschiede. Nimmt man Stalin als Beispiel, muss man anerkennen, dass er ein völlig neues System etablieren wollte. Ein System, welches die Gegnerschaft vieler Teile der Bevölkerung und benachbarter Staaten herausforderte. Es gab also tatsächlich einen Feind, den es zu bekämpfen galt. Am Anfang war das Kämpfen und Töten also notwendig. Mit Festigung seiner Machtposition und beim Versuch, ein rückständiges Land in die Industrialisierung zu führen, wandelte sich der ehrenvolle Charakter der Kämpfe gegen Feinde des Systems in einen menschenverachtenden Feldzug gegen die eigene Bevölkerung. Er unterschied kaum noch zwischen Freund und Feind. Er wurde zu einem kranken Alleinherrscher mit allen damit verbundenen Ängsten und Zwängen und den daraus folgenden Handlungen. Am Beginn standen Kriegsopfer, welche nicht weniger zu bedauern sind als die späteren Mordopfer. Die einen haben bewusst Widerstand geleistet und mit der Waffe in der Hand dem Tod wissend ins Auge geschaut, die anderen wurden getötet, ohne, dass sie den Grund dafür kennengelernt haben. Sie verstanden nicht, was die Industrialisierung mit den Hungersnöten zu tun hatte. Sie haben vor Ihrem Tod dieses Wort vielleicht nie gehört. Sie schwiegen, denn sie wussten ja nicht, gegen was sie aufbegehren sollten.

Allgemein zeichnen sich Revolutionen innerhalb politischer Systeme durch bewaffnete Auseinandersetzungen der unterschiedlichen Kräfte aus. Es kommt zu Opfern auf allen Seiten. Jede Gruppe verfolgt allerdings auch in ihrem Sinne ehrbare Ziele, welche mit aller Konsequenz, unter Inkaufnahme von menschlichen Verlusten durchzusetzen sind. Wie die Sieger in der Folge handeln, das macht den Unterschied aus.

Sind sie Fair und versuchen die ehemaligen Gegner in das neue System bestmöglich zu integrieren? Oder wird die Gegnerschaft am Leben erhalten und der Kampf bis ins letzte fortgeführt? Können sie den Zeitpunkt erkennen, ab dem sich gerechtfertigte in ungerechtfertigte Opfer wandeln?

Die Geschichte kennt viele Beispiele der einen und der anderen Art!

Doch der niederträchtigste Fall in der Geschichte bleibt der industrielle Massenmord während des dritten Reichs. Habgier, Mordlust und Neid, Hass gegen Minderheiten lassen keine Entschuldigung zu. Boshaftigkeit war der Antrieb für diesen Wahnsinn. Ich hoffe, dass auch mit dem Versterben des letzten beteiligten, egal ob Opfer oder Täter, nicht das große Vergessen über Deutschland hereinbricht. Erste Anzeichen für das Schwinden der Erinnerungen und die Abschwächung der Taten, sind schon zu beobachten. Die jungen Menschen sollen sich nicht schuldig fühlen! Aber sie sollten wissen, zu welchen Taten der Mensch in der Lage ist und sich bei den ersten Anzeichen dagegen auflehnen. Dazu müssen sie Systeme durchschauen können und die wahren Ziele erkennen. Das wichtigste ist aber eine positive humanistische Grundstimmung, welche durch die gesamte Gesellschaft getragen wird. Viel Glück...

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